Hallo Welt!

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The Big One II

Nach einer sehr kurzen Nacht, die ich größtenteils mit dem tranceartigen Betätigen der F5 Taste verbracht habe, gelobe ich hiermit den heutigen Tag über keine Nachrichtenseiten mehr zu besuchen. Es scheint vor allem eine Eigenschaft deutscher Medien zu sein, dass bei allen Katastrophenmeldungen ein ganz leichtes, unterschwelliges Triumphieren darüber mitschwingt, dass man endlich nicht mehr über Dschungelcamp und den Ex-Selbstverteidigungsminister berichten muss. Objektive Berichterstattung kann getrost aus dem Fenster gekippt werden, wenn man solch schöne Vokabeln wie “Jahrtausendbeben”, “Tschernobyl 2.0″ und “Naturgewalt bezwingt Top-Technologie” verwenden kann. Was, wenn nicht Top-Technologie hat denn eine ähnliche Katastrophe wie auf Haiti verhindert? In welchem anderen Land würde das hier zu sehende Hochhaus seine Schunkelpartie unbeschadet überstehen? Oder um einen momentan sehr populären Twitter-Post zu zitieren: “The headline you won’t be reading: Millions saved in Japan by good engineering and government building codes”

Bei der Bildzeitung fürchtet nicht nur wie sonst “ganz Deutschland”, sondern gleich “die ganze Welt” den “Horror-Atomunfall”, einbestellte Atomkraftsachverständige, die ähnlich wenig Kompetenz ausstrahlen wie ihre auf den nahen Osten spezialisierten Kollegen, erklären warum AUCH DEUTSCHLAND betroffen sein kann, und manch ein ausgemachter Gutmensch kann nicht ganz verhindern, dass ihm seine Maske entgleitet und dahinter die Fratze des schadenfrohen, misanthropischen deutschen Kleinbürgers zum Vorschein kommt, der es “schon immer gewusst hatte, aber auf den ja niemand hören wollte”. Und wenn irgendwann keine wirkliche Steigerung mehr möglich ist hält man halt irgendwelchen Passanten ein Mikro vor die Nase, damit sie erzählen können was sie gerade gemacht haben als Tschernobyl in die Luft flog.

Eigentlich ist man ja abgehärtet, da sich diese Phänomene bei allen größeren Katastrophen beobachten lassen, wenn es sich jedoch um ein Land handelt das man liebgewonnen hat, in dem sich Freunde und fast-Familienmitglieder aufhalten ist die mediale Katastrophensuperlativiererei, um mal ein besonders schönes neues Wort zu erfinden, unerträglich.
Wer noch nicht ganz von der Furcht vor dem Horror-Atomunfall gelähmt ist, sollte dringend eine der folgenden Seiten besuchen und einen kleinen Beitrag dafür leisten, dass die hysterischen Katastrophenmeldungen bald ein Ende nehmen.

The Big One (Erdbeben in Tokio)

Anhand der geringen Eintragsfrequenz auf meiner Homepage ließ es sich ja bereits schließen, dass mich das heutige Erdbeben nicht zu einem plündernden und brunnenvergiftenden Anführer eines Ausländermobs gemacht hat, da ich im relativ naturkatastrophensicheren Tübingen sitze. Keiko, die zum Zeitpunkt des Hauptbebens im Büro war ist bis auf einige heruntergefallene Gegenstände und einen 20 Kilometer Fußmarsch auf Absätzen zum Glück nichts zugestoßen, auch sämtlichen Bekannten und Verwandten geht es den Umständen entsprechend gut. Leider überschlagen sich momentan noch die Todes- und Schadensmeldungen, das gesamte Ausmaß der Katastrophe wird sich wohl auf Tage hinweg noch nicht abschätzen lassen.

Fujisan, Möwenkacke, Friedhof der Kuscheltiere und ein Restauranttip

Hier der Versuch fünf gänzlich unzusammenhängende Bilder in eine zusammenhängende Narration einzubetten. Los gehts:

Gestern Abend trug sich etwas Besonderes zu: durch den klaren Abendhimmel hindurch war von einer Brücke über den Nakagawa der Fujisan zu sehen. Neben den zahlreichen Erdbebenfrühwarnsystemen Tokios scheint es auch für Fujisichtungsereignisse einen Alarm zu geben, denn kaum hatten sich die Umrisse des Berges abgezeichnet, kamen aus allen Himmelsrichtungen Hobbyfotografen mit Stativen und den üblichen klobigen Riesenkameras angerannt, ohne sich allerdings der Gefahr bewusst zu sein, in der sie sich befanden:

Die Straßenlampen auf der Brücke stellen nämlich einen beliebten Ausruh- und Zielübungsplatz für durchreisende Seemöwen dar, was bestimmt den einen oder anderen Fotografen recht unsanft aus seinen Fujimeditationen gerissen hat.


Wer gegenüber seinen Haustieren liebevollere Gefühle hegt als gegenüber anarchisch um sich kackenden Seevögeln, den wird dieses Werbeplakat einer Firma erfreuen welche “anata no petto wo tengoku he” – “ihr Haustier in den Himmel” befördert. Auf japanischen Friedhöfen der Kuscheltiere werden Urnen und Grabsteine ähnlich wie im Buddhismus oder Shinto errichtet, daher ist es interessant, dass man die toten Tierlein trotzdem mit Heiligenscheinen und Engelsflügeln augestattet hat. Vielleicht handelt es sich ja um die verstorbenen vierbeinigen Freunde derjenigen sympathischen Männlein und Weiblein, die sich am ersten Januar mit Plakaten vor den größten Schreinen platziert hatten und Millionen Japanern auf dem Weg zum Neujahrsgebet verkündeten, dass sie sich auf direktem Weg ins Höllenfeuer begeben, sollten sie sich nicht anhand von ein paar Bannern und Lautsprecheransagen zum Christentum bekehren.

Eine gänzlich andere Attacke auf japanische Kultur und Lebenseinstellung erlebten Keiko und ich bei einem Besuch des persich-türkisch-usbekischen Restaurant Zakuro in Nippori. Dessen Besitzer, ein äußerst unkonventioneller Mensch namens Ali, pfeift auf jegliche japanische Restaurantetikette und befiehlt seinen Gästen zunächst lustige türkische Westen bzw. Bauchtanzkleider anzuziehen. Anschließend wird man mit etwas Glück bedient, mit etwas Pech dazu gezwungen Aushilfskellner zu spielen und anderen Gästen die Getränke zu bringen. Eine Speisekarte existiert meines Wissens nicht – für 2000 Yen tischt einem Ali auf was er für angemessen hält und bringt so lange neue Schüsseln, Teller und Fleischspieße bis man es nicht mehr schafft die vorangegangenen Speisen komplett zu vertilgen. Zwischendurch kann es vorkommen, dass er durch den Raum tänzelt und alle anwesenden Gäste mit Rosenwasser bespritzt oder auf höfliche Bitten nach mehr Tee mit “YADAAA!” reagiert, ein Wort das von “nicht jetzt” bis “leck mich” viele Bedeutungsebenen hat. Auf einen schüchternen kleinen Studenten der seine Restaurantwahl für das erste Date mit einer Kommilitonin sichtlich bereute hatte es Ali besonders abgesehen. Er bekam eine besonders großzügige Dosis Rosenwasser ab, musste die dreckigen Teller in die Küche bringen und ihm wurde mitgeteilt, dass seine Nase einem Vergleich mit der meinigen was Kriterien wie Ästhetik, Form und Attraktivität angeht, in keinster Weise standhält. Zum Ausgleich bekam er zwar ein Bier umsonst, aber seine Begleiterin sah wohl nach all diesen Demütigungen keine gemeinsame Zukunft mehr. Sie flüsterte ununterbrochen “kimochi warui” – “iiih/wie schrecklich/widerlich…” und weigerte sich beim Verlassen des Restaurants demonstrativ seine dargebotene, nach Rosenwasser duftende, Hand zu ergreifen. Hier eine kleine Impression aus diesem schönen Restaurant das jedem ans Herz gelegt sei der großen Hunger und eine ähnlich schöne Nase wie ich aufzuweisen hat. Ich sollte noch hinzufügen, dass Keiko in Wirklichkeit nur halb so breit ist. Ihr Bauchtanzoutfit ist sehr ausladend geschnitten. Ebenfalls sollte ich hinzufügen, dass ihr Kopf in Wirklichkeit nicht so schräg auf ihren Schultern sitzt, dies ist dem Kamerawinkel geschuldet. Aus aktuellem Anlass sei auch noch gesagt, dass es sich bei Keiko um die Person am rechten Bildrand handelt, nicht das ausgestopfte Wesen dazwischen. Am Besten denkt man sie sich komplett weg und schweigt still darüber, dass dieses Bild hier veröffentlicht ist, ansonsten blühen mir eventuell schlimmere Dinge als Rosenwasserduschen.

Vorsätze und große Veränderungen 2011

Wie schon sehr plakativ im Titel angekündigt werden sich für mich und diese Homepage 2011 einige Dinge ändern. Bevor ich jedoch den Spannungsbogen vorschnell auflöse schnell noch einige wahllose Vorsätze für das neue Jahr:

1. Jeden Tag mindestens ein neues Kanji lernen. Wenn man den Stimmen glauben schenkt, die behaupten, dass man mit 2000 Kanji bereits eine Tageszeitung lesen kann, hätte ich dieses Ziel in etwas unter fünf Jahren erreicht. Ich hoffe die Vorfreude auf diesen Moment bietet hinreichend Motivation.

2. Einen Marathon laufen um hinterher aller Welt kundtun zu können wie unvorstellbar schwer und anstrengend es ist einen Marathon zu laufen. Zwei Halbmarathons zählen nicht.

3. Weniger Geld für die Beschaffung von Elektrogeräten ausgeben, die die ersten drei Monate ihrer durchschnittlich dreijährigen Lebensdauer begeistern und den Rest der Zeit frustieren weil ich mittlerweile längst auf ein tolleres Modell schiele. Ein kurzer Überschlag hat ergeben, dass sich in meiner Wohnung ganze 12 Gerätschaften mit Displays befinden. Vom Hanlin E-Reader (eine chinesische Kopie des Amazon Kindle) über einen elektronischen Bilderrahmen von Docomo, bis hin zum Garmin Forerunner der sich gottseidank noch innerhalb des dreimonatigen Euphoriezeitfensters befindet.

4. Mehr selber kochen und mich weniger auf die Glutamatkreationen der lokalen Pizzainder und China-Thai Vietnamesen, sowie die Erzeugnisse der Firma Bürger verlassen.

5. Einen wissenschaftlichen Aufsatz zur NS-Vergangenheit meiner Schule verfassen und hierfür 6. meine auf diese Homepage nicht gerade kompetent erscheinenden Kenntnisse der deutschen Zeichensetzung verbessern.

7. Zukünftige Listen nicht mit einer so unschön-ungeraden Primzahl wie der Sieben enden zu lassen.

Soviel zum Thema gute Vorsätze, bevor jetzt aber auf die großen Veränderungen eingegangen wird, noch eine Sache von deutlich höherer Brisanz: eine Galerie japanischer Neujahrspostkarten mit süßen Häschen drauf (2011 ist das Jahr des Hasen).
Schockierend, dass einige Hasen aussehen als wären sie lediglich langohrige Varianten der Ratten aus dem Jahre 2008…

Ich finde, dass ich mit dermaßen vielen erbaulich-süßen Hoppelhäschen der Erwartungshaltung meiner Leser eigentlich genüge getan habe und ihren sicherlich bereits angeregten Adrenalinhaushalt nicht auch noch mit den versprochenen großen Ankündigungen zusätzlich strapazieren muss. Man muss den Leuten schließlich auch Dinge lassen auf die sie sich freuen können.

Warum das Ganze also nicht als kleines Rate-Gewinnspiel aufziehen? Der erste Hinweis auf den Lösungssatz: die letzte Hasenkarte stellt eine etwas abgelutschte Hommage an das Werk eines gewissen Künstlers dar – gesucht ist dessen Nachname. Zu gewinnen gibt es ein kleines Mitbringsel aus Japan nach Wahl.

Alles beim Alten im neuen Jahr

Juhu und wieder habe ich einen neuen Jahreswechsel in Japan vollbracht. Mittlerweile hat sich große Routine eingestellt: wie jedes Jahr kamen im Fernsehen “Gaki no Tsukai” (die wir-sperren-sieben-Deppen-für-24-Stunden-in-ein-Studio-und-hauen-ihnen-jedes-Mal-auf-den-Hintern-wenn-sie-lachen-Show), beziehungsweise der Rot vs. Weiß Songcontest, bei dem die momentan angesagten Retortenmusikanten gegeneinander antreten. Momentan geht der Trend zu Megabands mit einer zweistelligen Anzahl von Mitgliedern – das hat den Vorteil, dass man zu alt beziehungsweise aufmüpfig gewordene Mitglieder jederzeit recht unauffällig durch neue ersetzen kann. Es gibt genau drei Arten von Liedern, die dargeboten werden: Liebesschnulzen, von denen JEDE mindestens einmal den Ausdruck „wasurenaide!“ (vergiss nicht) beinhalten muss, hyperaktive, herumhops-Spaßmusik, und von älteren Semestern vorgebrachte, nostalgische Stücke, bei denen die jüngeren Kolleginnen und Kollegen in Lederreizwäsche, 50 Meter langen Brautkleidern oder sexy-Schulmädchenoutfits so tun müssen als wären sie zutiefst ergriffen und voll der Bewunderung, während sie in Wirklichkeit vermutlich eher das hier denken.

Wie jedes Jahr gab es die üblichen Spinnenkrabben zum Neujahrsabendessen, aber die habe ich mittlerweile fast schon liebgewonnen. Sie schmecken auch recht lecker, wenn man versucht sich nicht bewusst zu machen, dass man gerade das einen halben Meter lange, stachel- und klauenbewehrte Bein eines fürchterlichen Tiefseedämonen aussaugt. Ansonsten standen dieses Jahr noch in Seetang gewickelte Lachsstückchen, Pudding mit Fisch drin, Riesengarnelen inklusive der von Keiko höchstpersönlich aus ihnen herausgepulten, grünlichen Eiern, Miso Suppe mit Seetang und Reis auf dem Menü. Aber keine Sorge: damit der arme Reis sich nicht etwa als einziges Lebensmittel ohne Meereserzeugnisse grämen musste, war er vorsorglich mit getrocknetem Fischpulver besprenkelt worden.

Wenigstens im sportlichen Bereich gab es über Neujahr eine Veränderung, denn ich wagte mich zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder auf ein Snowboard. Anscheinend ist snowboarden wie Fahrradfahren – man verlernt es nie mehr. Das bringt mir zwar wenig, da ich es noch nie konnte, aber immerhin war ich nach wie vor in der Lage ganz ausgezeichnet schräg nach links bzw. schräg nach rechts zu fahren, lediglich die an beiden Enden der Piste nötigen Richtungswechsel hierfür waren jeweils mit einem eleganten Sturz aufs Gesicht, beziehungsweise den Allerwertesten verbunden. Immerhin konnte ich nach einigen Stunden auch von links nach rechts wenden, und hatte die Hinfallwahrscheinlichkeit beim Wechsel von rechts nach links von 100 auf etwa 60 Prozent reduziert. Einmal schaffte ich es sogar über eine Schanze zu springen und erst zehn Meter später hinzufallen, ein weiteres Mal gelang mir statt eines normalen Richtungswechsels eine atemberaubende 360 Grad Drehung, die zum Glück in einem Fangnetz, anstatt 100 Meter tiefer endete. Dummerweise existieren dafür keine Videobeweise, alles was ich aufzubieten habe ist dieser wenig schmeichelhafte Clip von meinen anfänglichen Bemühungen. Immerhin schlägt mir Youtube als Tag für dieses Video den Begriff “Highspeed” vor.

Während das neue Jahr rund um die Welt mit Riesenfeuerwerk, Partys und Dachstuhlbränden begangen wurde, ging es in Sugadaira deutlich geruhsamer zu. Das Mitternachtsfeuerwerk musste erneut wegen Geldmangel ausbleiben, stattdessen war aber angekündigt, dass um 21 Uhr ein Neujahrs EVENT stattfinden würde. Keiko und ich wollten da natürlich nicht fernbleiben, und das EVENT war auch fürwahr gigantisch: es bestand aus einem Klapptisch auf dem links eine Schüssel mit Losen stand, rechts war ein Bottich mit der japanischen Variante von Glühwein – süßer, warmer Sake mit Reis. Rings um den Tisch hatten sich mindestens 20 Menschen eingefunden um das EVENT mitzuerleben. Nachdem wir eine halbe Stunde lang ausgelassen gefeiert hatten, fuhren noch fünf Skifahrer mit Fackeln die benachbarte Piste hinunter, was gleichzeitig das Ende des EVENTS signalisierte, so dass wir die verbleibenden zweieinhalb Stunden bis Mitternacht in einer Kneipe überbrücken mussten.

Ich hoffe alle meine Leser hier sind auf ähnlich schöne Weise ins neue Jahr gerutscht und wünsche hiermit ein tolles 2011!

On the run

Zur Steigerung meines in letzter Zeit nicht mehr sonderlich berauschenden Laufpensums habe ich mir vor einigen Monaten ein tolles kleines Gerät namens Garmin Forerunner angeschafft. Wobei – klein kann man das Ding eigentlich nicht nennen – es verbindet vielmehr die Ästhetik eines Hip-Hop Accessoires aus den 90ern mit dem Tragekomfort einer Kuckucksuhr. Dafür belohnt es einen nach jedem vollbrachten Lauf mit so vielen tollen Statistiken, dass man vor lauter Aufregung gleich nochmal so viel Kalorien verbraucht. Trotz eingebautem GPS Empfänger kann man sich mit dem Garmin Forerunner nach wie vor hoffnungslos verirren, sollte man jedoch trotzdem irgendwie nach Hause zurückfinden kann man sich wenigstens hinterher bei Google Earth über die vielen lustigen Kurven, Kringel und Schleifen amüsieren, die man zurückgelegt hat.
Dummerweise weichen meine subjektiv wahrgenommene olympiawürdige Geschwindigkeit und zurückgelegte Distanz immer enorm von den Werten ab, die mir der Garmin Forerunner hinterher präsentiert, aber das sind vermutlich werksbedingte Ungenauigkeiten über die man hinwegsehen muss.

Selbstverständlich habe ich das tolle Gerät auch nach Japan mitgenommen, damit ich endlich den dort herumrennenden Hightech Joggern mit ihren Gel-Air-Antigravitationsturnschuhen und Weltraumanzug-Mikrofaser-Mannesteilebetonungsleggins technologisch Paroli bieten kann. Mein erster Lauf in Tokio fiel leider etwas kürzer aus als geplant, da ich nach gefühlten 5 Kilometern (1,3km) in die Mutter aller Pfützen stolperte und mit völlig durchnässten Schuhen den Heimweg antreten musste. Mittlerweile sind Keiko und ich zu Besuch bei ihren Eltern und ich komme soeben von einer epischen 42 Kilometer Tour (13,5km) zurück. Das kleine Dörfchen, in dem meine eventuellen zukünftigen Schwiegereltern  zu Hause sind, liegt auf einem Berg und man hat als Läufer entweder die Möglichkeit diesen Berg hinunter-, bzw. den nächsthöheren Berg hinaufzurennen. Natürlich entschied ich mich für die erstere Variante und kam dank des angenehm abfallenden Weges auch wunderbar schnell voran. Nach einer halben Stunde wurde ich etwas müde, aber mit einer Logik, die sich einem  sonst nur im Traum oder stark angeheitertem Zustand erschließt, entschied ich mich lieber weiterhin in Richtung Tal zu rennen anstatt mich mit einem beschwerlichen Berg abzuquälen. Erst als die Straße in einen Trampelpfad mündete und es gleichzeitig anfing zu schneien und dunkel zu werden, war der Leidensdruck umzukehren groß genug und ich machte mich in absolut gleichbleibendem Tempo an den Rückweg (halbe Geschwindigkeit, Herzfrequenz auf dem Level eines Kolibris). Wieder oben angekommen fühlte ich mich wie Reinhold Messner nach der Besteigung von einem dieser hohen Berge in Nepal (Keikos Eltern verfügen noch über einen 54k Modemanschluss, daher kann ich diesen Eintrag nicht mit meinen üblichen, Bildung vortäuschenden Fakten versehen, die in Wirklichkeit nur ergoogelt sind). Aber was gibt es Schöneres als nach einer kreislaufanregenden Joggingtour durch den Schnee nach Hause zu kommen und sich dort mit einer Tasse Tee aus Buchweizennudelkochwasser und Suppe mit zusammengepressten Fischeiern drin aufzuwärmen?

Brave New News…

Wer es Leid ist an jede belanglose Nachricht die Floskel “… und in China ist ein Sack Reis umgefallen” anzufügen, der kann sich auf dem englischsprachigen Internetauftritt der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA mit einer großen Anzahl hochinteressanter Alternativerwiderungen ausstatten. Warum also den nächsten Zeitgenossen der Unwichtiges mitteilt nicht mit einem unerwarteten “…and North Korea observed the World Statistics day” überraschen.

(In an interview with KCNA, Choe Sung Ho, a vice department director of the Central Statistics Bureau, said that statistics was an important means to protect the interests of the working people and guarantee social, economic and cultural development. He introduced brisk activities which have been conducted in the country to steadily enhance its statistical capacity.)

Oder wie wäre es mit “…and Kim Jong Il received a gift from a Chinese delegation.”

(Pyongyang, October 20 (KCNA) — General Secretary Kim Jong Il was presented with a gift by the visiting delegation of People’s Daily of China.
The gift was handed to Kim Ki Nam, member of the Political Bureau and secretary of the Central Committee of the Workers’ Party of Korea, by head of the delegation Ma Li, deputy editor-in-chief of People’s Daily of China, on Wednesday.)

Oder für diejenigen denen der Sinn nach mehr Varietät steht etwas radikal anderes: “…and Kim Jong il received a gift from a Vietnamese delegation.”

(Pyongyang, October 19 (KCNA) — Leader Kim Jong Il was presented with a gift by the head of the visiting delegation of the Ministry of Public Security of Viet Nam.
The gift was handed to Ju Sang Song, member of the Political Bureau of the Central Committee of the Workers’ Party of Korea and minister of People’s Security, on Tuesday by Deputy Minister of Public Security of Viet Nam Bui Van Nam, who is heading the delegation.)

Wunderschön, wie die KCNA auf die Wissbegier der Menschen eingeht, denen es selbstverständlich völlig egal ist ob Kim Jong Il jetzt einen elektronischen Nasenhaarschneider das Barbie Traumhaus oder einen Pango bekommen hat, solange geklärt ist, dass die Gabe nicht etwa von Choe Sung Ho, dem Vizeressortleiter des Statistikbüros in Empfang genommen wurde, sondern von einem Mitglied des Politbüros des Zentralkommittees der koreanischen Arbeiterpartei. Auch andere Artikel geizen nicht mit ausführlichen Detailinformationen, wie zum Beispiel dieser hier:

Pyongyang, October 19 (KCNA) — One March day in Juche 67 (1978), an official of the mission of the Democratic People’s Republic of Korea in a European country was seriously wounded to be at the point of death.
Upon receiving the news, General Secretary Kim Jong Il said a plane should be sent to the country with doctors and medicines to save him at any cost. Emergency measures had been instantly taken for the patient. He was carried to a modern hospital to undergo the second operation, but his condition failed to take a favorable turn. The leader had an urgent telegram sent to the DPRK mission again for the third operation under the direction of able doctors in the homeland. After the third operation the patient came to his senses and after a month he was able to go on foot.

Jeder wird verstehen, dass Trivialitäten, wie der Name des “Mannes”, warum er verletzt wurde, das Land in dem es geschah, und die Frage warum man nur verarztet wird, wenn Kim Jong Il persönlich hinterhertelefoniert und Telegramme schickt, nur der Schönheit dieser erhebenden Anekdote Abbruch täten, trotzdem wäre es selbstverständlich schön gewesen, wenn sie im Zuge von Choe Sung Ho’s reger Aktivitäten zur Förderung der statistischen Kapazität erfasst worden wären.

Oh, und wem der Bezug zu Japan fehlt: die Seiten der KCNA werden in Japan gehostet – demselben Land, dem in jedem zweiten Artikel Kriegsgelüste und Barbarei unterstellt werden.
Viel Bezug ist das zugegebenermaßen nicht, aber morgen gibt’s wieder mehr, eventuell sogar eine neue Joggingkatastrophenstory.

The Thing

Diesen Winter hob ich zum ersten Mal mit dem nagelneuen Airbus A-380 in Richtung Japan ab, und das trotz des angekündigten Schnee-Verspätungschaos und der absolut nicht fluggeeignet aussehenden Form dieses Riesenflugzeuges. Da die neuen Airbusse DAS Prestigeprojekt der europäischen Luftfahrt darstellen, erwartete ich trotz meiner üblichen Economy-Buchung selbstverständlich höchsten Komfort, allerdings hatte man in das schicke neue Gehäuse lediglich die üblichen, legebatterieartigen Sitze eingebaut. Ansonsten konnte das Flugzeug aber durch einen netten bläulichen Beleuchtungseffekt an der Decke, sowie ein Entertainmentcenter mit mehr Tasten dran als der Laptop mit dem ich diese Zeilen schreibe, glänzen.

Das Interessante an längeren Flugreisen ist, dass man über Stunden hinweg vollkommen mit seinen Gedanken alleine ist. Das kann schön sein, wenn man so wie ich in froher Erwartung auf zwei gemeinsame Wochen mit der Liebsten unterwegs ist, wenn man jedoch stattdessen unter Kopfschmerzen den Film Inception anschaut und einen sehr seltsamen Nebensitzer hat, gibt es angenehmere Aufenthaltsorte als mein Gehirn. Links neben mir saß nämlich ein mittelalter japanischer Herr, der ununterbrochen einen kleinen Plastikgegenstand betrachtete, diverse Tasten daran betätigte, und ihn immer wieder prüfend an das Flugzeugfenster hielt. Obwohl der Gegenstand über kein Display verfügte, schien er eine gigantische Faszination auf den Mann auszuüben. Wann immer ein Flugbegleiter unsere Sitzreihe passierte, ließ er den Gegenstand schnell in seiner Hosentasche verschwinden, um ihn sofort im Anschluss wieder hervorzuholen. Einmal versuchte er ihn sogar mit Klebeband am Kabinenfenster zu befestigen, gab dieses Vorhaben jedoch auf, nachdem sich sein Tesa-Konkurrenzprodukt als nicht haftfähig genug herausgestellt hatte. In meinem Geiste nahm der ominöse Gegenstand im Laufe der Stunden immer bedrohlichere Formen an. Vom solarbetriebenen Blutzuckermessgerät, über einen Spionageapparat aus dem Hause Boeing, bis hin zum manuell ausgelösten Suizid-Sprengsatz.  Leider war ich nicht Manns genug einfach „Duu, was ist dieses komische Ding?“ zu fragen, und einen Flugbegleiter auf eine potentielle Bombengefahr an Bord hinzuweisen wollte ich natürlich ebenfalls nicht, schließlich hätten sich dann bis zu 500 Passagiere über den paranoiden Deutschen geärgert, der einem armen Diabetiker terroristische Aktivitäten unterstellt. Leider werde ich so nie erfahren, welch ungeheures Faszinosum dieser Mann mit sich führte, aber wenn es sich auf dem europäischen Markt durchsetzt, werde ich mir vielleicht nächstes Jahr eines zu Weihnachten kaufen.

Nach dem gewohnt herzlichen Empfang durch Einreisebehörden und Zoll, vorbei an sprechenden Laufbändern, die einem ankündigen, dass sie gleich zu Ende sein werden, und man doch bitte nicht hinfallen soll, und dem „intermediary ticket check at the intermediary ticket barrier“ am Bahnhof (diesen Begriff muss man sich von einer gequälten japanischen Stimme ausgesprochen denken) bin ich jetzt endlich wieder in Tokio angelangt und kann ab Morgen wieder tolle Dinge berichten.

Nordkorea Total

Der folgende Artikel hat nichts mit Japan zu tun, sondern beschäftigt sich mit Nordkorea, Mitglied der Achse des Bösen und erklärter Erzfeind der Happiness Realization Party.
Letztes Jahr habe ich in einer Oberstufenklasse verschiedene Elemente des Totalitarismus erarbeitet, und zwar indem wir Bildmaterial aus Nordkorea und der NS-Zeit verglichen haben. Arbeitsauftrag an alle Homepageleser: Elemente totalitärer Herrschaft herausarbeiten, Oberbegriffe wie Ikonographie, negative Integration, Führerkult etc. dafür finden und bis morgen 14 Uhr in mein Fach legen. Wer’s nicht macht kriegt einen Strich, bei drei Strichen gibt’s ein frowny face: :-(